Mit dem Start erster Tests für Werbung in ChatGPT verändert OpenAI die Spielregeln im KI-Markt spürbar. Der Schritt zeigt, wie stark der wirtschaftliche Druck auf Anbieter generativer KI inzwischen ist und welche neuen Chancen gleichzeitig für Werbetreibende entstehen. In diesem Beitrag beleuchten wir, wie ChatGPT Ads funktionieren, warum OpenAI diesen Weg geht, welche Potenziale sich für Marken ergeben und wie sich andere KI-Plattformen wie Google Gemini oder Perplexity beim Thema Werbung positionieren.
Inhaltsverzeichnis
OpenAI testet Werbung bei ChatGPT
Das US-amerikanische Softwareunternehmen OpenAI testet erstmals Werbeanzeigen in ihrem KI-Chatbot ChatGPT. Getestet wird das neue Werbemodell seit Februar 2026, vorerst ausschließlich in den USA. Betroffen sind aktuell eingeloggte Nutzer der Free- und Go-Versionen. ChatGPT Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu bleiben weiterhin werbefrei.
Die Entscheidung kommt wenig überraschend, denn die Kosten für Training und Betrieb von großen Sprachmodellen steigen sehr schnell an. Laut Unternehmensangaben lag der Annual Recurring Revenue 2025 bei rund 20 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig rechnet das Unternehmen mit Ausgaben von über 600 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2030. Das erklärt die Dringlichkeit mit der OpenAI nach neuen Einnahmequellen sucht.
Für Werbetreibende eröffnet sich damit ein völlig neues Feld. ChatGPT Ads sollen unterhalb einer Antwort erscheinen und klar als gesponsert gekennzeichnet sein. Die Werbung erfolgt getrennt vom eigentlichen KI Output, soll aber auf die Anfrage angepasst sein. Genau das betont OpenAI mehrfach, um Vertrauen und Unabhängigkeit zu sichern.
Wie sieht Werbung bei ChatGPT aus?
Die neuen Werbeanzeigen bei ChatGPT werden unterhalb der eigentlichen Antwort angezeigt und sollen klar als gesponsert markiert und visuell vom KI-Text getrennt sein. Anzeigen sollen laut OpenAI den Inhalt der Antworten nicht beeinflussen.
Während der Testphase erscheint in der Regel nur eine einzelne Anzeige pro Antwort. Bei längeren Gesprächen soll der Kontext berücksichtigt werden. Sensible Themen wie Gesundheit oder Politik sind ausgeschlossen. Ebenso werden keine Anzeigen bei Nutzern ausgespielt, die angegeben haben, oder bei denen das Unternehmen voraussagt, dass sie unter 18 Jahre alt sind.
Für Nutzer gibt es umfassende Kontrollmöglichkeiten. Personalisierung kann deaktiviert werden. Anzeigen lassen sich ausblenden oder melden. Gespräche, Chatverläufe, Erinnerungen oder persönliche Daten werden nicht an Werbetreibende weitergegeben. Advertiser erhalten ausschließlich aggregierte Leistungsdaten wie Views oder Klicks.
Warum führt OpenAI Werbung bei ChatGPT ein?
Die Antwort ist wirtschaftlich klar. Leistungsstarke KI-Systeme, wie ChatGPT, verursachen enorme Energie- und Infrastrukturkosten. Werbeanzeigen sollen gewährleisten, dass ChatGPT Free und Go Nutzer weiterhin Zugang zu modernen Funktionen erhalten. OpenAI spricht von einem vielfältigen Umsatzmodell, bei welchem Abonnements weiterhin die zentrale Einnahmequelle darstellen. Werbung ergänzt diese Strategie, um den Zugang und die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz breiter zu finanzieren. Laut Unternehmensangaben hat sich der Umsatz 2025 stark erhöht, doch die Investitionen in höhere Rechenleistung wachsen ebenfalls massiv.

OpenAI sieht die Einführung von Werbung in ChatGPT nicht als Strategiewechsel, sondern als eine Monetarisierungserweiterung, deren Ziel es ist, Wachstum, Innovation und Zugänglichkeit gleichzeitig zu sichern.
Welche Möglichkeiten für Werbetreibende ergeben sich?
Für Werbetreibende entsteht mit der Einführung von ChatGPT Ads ein komplett neues Werbeumfeld. Neben den Möglichkeiten, die GEO, also die Generative Engine Optimization, liefert, können sich Werbetreibende mit ChatGPT Ads nun auch bezahlte Sichtbarkeit in den KI-Systemen sichern.
Anzeigen erscheinen direkt passend zum Gesprächskontext. Das führt zu einer hohen Intent Nähe. Wer nach einer Lösung für ein Problem sucht oder nach einen Produkt fragt, bekommt eine passende gesponserte Ergänzung unterhalb der Antwort angezeigt. Das eröffnet Chancen, die klassische Suchanzeigen kaum bieten können. Laut Berichten soll der Einstiegspreis bei rund 60 US-Dollar pro 1.000 Views liegen. Für erste Werbetreibende sollen bereits hohe Mindestbudgets gefordert worden sein.
Gleichzeitig gewinnt die Kombination aus GEO und bezahlter Sichtbarkeit an Bedeutung. Während GEO, also die Generative Engine Optimization, dafür sorgt, dass Marken organisch in KI Antworten auftauchen, können ChatGPT Ads diese Präsenz gezielt verstärken. Wer Inhalte strategisch für KI Systeme optimiert und gleichzeitig Werbeformate nutzt, erhöht die Chance, bei relevanten Nutzeranfragen sowohl organisch als auch bezahlt sichtbar zu sein. Genau diese Verbindung aus Content, Kontext und Advertising dürfte künftig zu einem zentralen Erfolgsfaktor im KI-Marketing werden.
Google testet mit Gemini ebenfalls Werbung im AI Mode
Auch Google treibt mit seinem KI-Modell Gemini Werbung voran. Der Konzern hat gegenüber Werbekunden angekündigt, dass Advertising rund um Gemini im Jahr 2026 schrittweise ausgerollt werden soll. Erste Tests laufen bereits in den generativen Suchergebnissen in den USA. Besonders im Fokus stehen sogenannte Direct Offers, ein neues Anzeigenformat im AI Mode der Google Suche. Dabei können Marken exklusive Angebote wie Rabatte direkt in KI generierten Produktempfehlungen anzeigen lassen. Die Anzeige wird klar als „Sponsored deal“ gekennzeichnet und erscheint passend zum jeweiligen Suchkontext.
Die Funktionsweise orientiert sich stark am bestehenden Google Ads Ökosystem. Produkte aus dem Merchant Center werden von der KI mit der Suchanfrage abgeglichen. Werbetreibende können dazu konkrete Deals oder Rabatte hinterlegen. Gemini entscheidet anschließend kontextbasiert, welches Angebot für den Nutzer relevant ist und ausgespielt wird.
Für Advertiser bedeutet das eine neue Form von intentbasierter Werbung. Wer bereits mit Suchkampagnen, Shopping oder Performance Max arbeitet, schafft die Grundlage dafür, auch in KI Antworten und Produktempfehlungen sichtbar zu werden. Direct Offers gelten deshalb als wichtiger Schritt hin zu stärker automatisiertem AI Shopping innerhalb des Google Ökosystems.
Perplexity stellt Werbung wieder ein
Perplexity, ein weiterer großer Player im Bereich der KI-Systeme, wählt einen gegenteiligen Kurs. Laut Handelsblatt und Financial Times hat Perplexity seine Werbeaktivitäten weitgehend eingestellt. Als Grund dafür nannte das Startup Zweifel an der wahrgenommenen Unabhängigkeit der KI-Anwendung.
Bereits im Jahr 2024 hat das Unternehmen erstmals Werbung getestet und gesponserte Antworten unterhalb der KI Ergebnisse platziert. Trotz klarer Kennzeichnung entstand bei den Nutzern offenbar Skepsis, was die Unabhängigkeit und Vertrauenswürdigkeit der KI-Plattform angeht. Gegenüber der Financial Times erklärt eine nicht namentlich genannte Führungskraft: „Ein Nutzer muss davon überzeugt sein, dass dies die bestmögliche Antwort ist, damit er das Produkt weiterhin nutzt und bereit ist, dafür zu bezahlen“. Werbeanzeigen stehen dem im Weg, weshalb man sich derzeit nicht auf diese konzentrieren möchte.
Welche Risiken entstehen für OpenAI?
Die größte Herausforderung ist das Vertrauen. Sobald Anzeigen in einem dialogischen KI Umfeld erscheinen, stellen viele Nutzer die Unabhängigkeit der Antworten infrage. Open AI betont genau aus diesem Grund, dass die Werbung bei ChatGPT strikt von den Antworten getrennt ist und einen Einfluss auf die Inhalte hat. Wie die Nutzer auf die Werbeanzeigen reagieren werden und ob es den Nutzerzahlen schaden wird, bleibt abzuwarten.
Ein weiteres Risiko liegt im Wettbewerb. Google ist ein sehr starker Konkurrent für OpenAI, denn der Konzern integriert mit Gemini seine KI Funktionen tief in bestehende Dienste wie Gmail, Youtube und viele weitere. Derzeit wachsen Reichweite und Integration rasant, womit für OpenAI ein hoher Innovationsdruck entsteht.
Nicht zuletzt bleibt natürlich die wirtschaftliche Dimension entscheidend. Trotz stark steigender Umsätze steht OpenAI unter erheblichem finanziellen Druck durch hohe Kosten und Infrastrukturinvestitionen. Ob Werbeanzeigen das Unternehmen langfristig absichern können und zu einem tragfähigen Geschäftsmodell werden oder ob mehr Nutzer zur Konkurrenz abwandern, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.